Vorsicht vor der brullenden Masse

Published: April 13, 2022, 4:04 a.m.

Die Stra\xdfen sind leerer, bei uns hier. Es sind Osterferien und viele sind aufgebrochen in ihre Osterferienziele. Und seit Tagen gibt es in den Medien einen ziemlichen Rummel um die Ferien einer Ministerin im vergangenen Sommer. Als damalige Umweltministerin in Rheinland-Pfalz ist sie, nur 10 Tage nach der verheerenden Flut im Juli 21 mit vielen Todesopfern und unglaublichen Verw\xfcstungen in D\xf6rfern und St\xe4dten, mit ihrer Familie in den Sommerurlaub nach Frankreich gefahren. F\xfcr vier Wochen.\n\nVor ein paar Tagen hat sie sich daf\xfcr entschuldigt. In einem sehr emotionalen Video erkl\xe4rt sie sich und gibt an, dass die Krankheit ihres Mannes, die Coronabelastung mit vier kleinen Kindern, ihr Engagement im Wahlkampf und ein gesch\xe4ftsf\xfchrend \xfcbernommenes zweites Ressort einfach zu viel geworden sind und sie diesen Urlaub als Familie dringend gebraucht haben.\nUnd? Was machen wir da mit einem Menschen? Die einen debattieren, ob diese Entschuldigung nun ein Zeichen vor St\xe4rke oder eher von Schw\xe4che ist, die anderen fragen, ob sie nicht ohnehin \xfcberfordert oder zu sensibel sei, die anderen sprechen von Mut und wieder andere von Ablenkung von ihren schwachen Leistungen als Ministerin.\n\n\nJa klar, wenn man ein solches Amt \xfcbernimmt, muss man vorher kl\xe4ren, ob man den Zumutungen einer solchen Aufgabe standhalten kann. Aber auch Politikerinnen sind doch auch verletzliche Menschen, die an Grenzen geraten und auch mal falsche Entscheidungen treffen. Das Beurteilen und Verurteilen von Menschen ist t\xe4glich gang und g\xe4be. Wir checken geradezu intuitiv ab, wie wer wann was gemacht hat und was wir selbst davon halten. Das ist menschlich und zun\xe4chst nicht schlimm. Schlimm wird es erst, wenn wir unsere Urteile \xfcber andere verletzend und ehrabschneidend in die Welt posaunen und dem Gegen\xfcber keine Chance mehr lassen.\n\nIn dieser Woche lesen wir in den Evangelien:\nJesus steht vor Pilatus und dieser findet keine Schuld an ihm. Aber die Meute, die aufgehetzte Menge, br\xfcllt so lange, bis er Angst bekommt, der br\xfcllenden Masse nachgibt und dieses \xe4ngstliche Nachgeben f\xfcr Jesus t\xf6dlich endet.\nBr\xfcllende Masse kann auch heute noch lebensentscheidend werden. Bedenken wir das in allem was wir tun und lassen, sagen oder weiterverbreiten.