Barmherzigkeit als Aufgabe und Anspruch

Published: March 24, 2023, 5:47 a.m.

Nackte bekleiden und Fremde aufnehmen, sind die beiden n\xe4chsten leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Nackte bekleiden hat f\xfcr mich zwei Aspekte: zum einen nat\xfcrlich, dass wir Menschen, die buchst\xe4blich nur noch das, was sie auf dem Leib tragen besitzen, dass wir denen Kleidung und W\xe4rmendes verschaffen.\n\nBei dem verheerenden Erdbeben in Syrien und der T\xfcrkei, war das nochmal ganz deutlich. Viele waren nur im Schlafanzug auf die Stra\xdfe gerannt und hatten nur das nackte Leben retten k\xf6nnen, ohne die notwendige Kleidung um nicht zu erfrieren. Unser Erschrecken bei den Bildern und Videos hat es vielen Helfenden leicht gemacht, zu spenden und Kleidung und Zelte und Decken zu beschaffen.\n\nUnd dann gibt es diese zweite Seite dieses Werkes: nackt stehen viele Menschen da, die gemobbt und blo\xdfgestellt werden. In den unsozialen Medien, in zweifelhaften Illustrierten, in Beifall -heischenden Berichten. Dann ist es ganz anders wichtig, diese Blo\xdfstellung zu beenden, gegen Mobbing und andere Praktiken vor zu gehen und zu versuchen, die W\xfcrde der Betroffenen mit meinen M\xf6glichkeiten wieder her zu stellen.\n\n\nFremde aufnehmen, ist schon im Alten Testament ein sehr wichtiges Werk. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Du und Deine Familie und Dein Stamm nur dann gut leben k\xf6nnen, wenn auch der Fremde, der sich auf Deinem Gebiet aufh\xe4lt, leben und arbeiten und sich in die Gemeinschaft einf\xfcgen kann. Immer schon, in der Erfahrung von Kriegen, von Flucht und Vertreibung war es die gr\xf6\xdfere Leistung der Einheimischen, nicht nur die Fremden aufzunehmen und ihnen Dach und Unterkunft und Lebensnotwendiges zu verschaffen, sondern sie in ihr Gemeinwesen zu integrieren, wie wir es heute sagen w\xfcrden.\n\nUnsere koptisch- \xe4gyptische Familie, die wir 2015 bei uns aufgenommen haben, sind f\xfcr mich ein wunderbares Beispiel. Sie arbeitet seit Jahren als Erzieherin im Kindergarten, Er ist fest angestellter Linienbusfahrer. Sie leben seit Jahren schon in einer sch\xf6nen eigenen Wohnung, fahren mit Begeisterung Fahrrad und Auto. Beide Kinder sind in der Schule richtig gut und beide lernen Klarinette zu spielen. Und sie haben viele Freunde und Freundinnen und leben ihr gelingendes Leben in unserem Land.\n\n"Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen" bleibt immer Aufgabe und Anspruch und es ist wunderbar zu erleben, dass die aufgenommenen Fremden immer mehr zu Freunden, Kollegen und aktiven und m\xfcndigen B\xfcrgern werden.