\xd6ffentlicher Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung \u201e1989 \u2013 (K)Eine Z\xe4sur?\u201c von Detlef Pollack Nach dem Niedergang des Staatssozialismus in den L\xe4ndern Ost- und Ostmitteleuropas erwarteten viele, dass es zu einer Renaissance des Religi\xf6sen kommen werde. Und das mit guten Gr\xfcnden. Die staatssozialistischen Systeme verfolgten \xfcber Jahrzehnte hinweg eine repressive Kirchenpolitik, der es darum ging, die Gl\xe4ubigen von den Kirchen zu entfremden und die kirchlichen Handlungsm\xf6glichkeiten einzuschr\xe4nken. Viele Religionssoziologen nahmen daher an, Religion und Kirche w\xfcrden nach dem Untergang des kirchenfeindlichen Systems an sozialer Signifikanz gewinnen. Tats\xe4chlich ist die religi\xf6se Situation in Ost- und Mittelosteuropa heute \xe4u\xdferst divers. Neben L\xe4ndern wie Russland oder der Ukraine, in denen es zu einer Wiedergeburt des orthodoxen Christentums kam, stehen L\xe4nder wie Ostdeutschland, Tschechien oder Estland, die eher durch eine weitergehende S\xe4kularisierung gepr\xe4gt sind, aber auch L\xe4nder wie Polen oder Kroatien, in denen aufgrund der engen Verbindung von religi\xf6ser und nationaler Identit\xe4t die Kirche nach wie vor eine starke gesellschaftliche Stellung besitzt. Der Vortrag zeichnet nicht nur charakteristische Linien der religi\xf6sen Entwicklung seit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus nach, sondern fragt auch nach plausiblen Erkl\xe4rungen f\xfcr die diversen Verl\xe4ufe. Dabei geht er darauf ein, welche Bedeutung Formen der Vermischung von Religion und Politik sowie von rechtspopulistischen Einstellungen und Religiosit\xe4t zukommt, aber auch welchen Einfluss Prozesse der nachholenden Modernisierung auf das religi\xf6se Feld aus\xfcben.